Während der Cannabisforschung entdeckten Experten auf diesem Gebiet schon vor Jahrzehnten neben dem berauschenden THC im Harz der Cannabispflanze eine große Menge vieler anderer Substanzen. Bei der Untersuchung und Katalogisierung der einzelnen Pflanzenstoffe und der Erforschung ihrer Wirksamkeit auf den menschlichen Organismus stießen die Forscher auf den sogenannten Entourage-Effekt. Was damit gemeint ist und warum der Entourage Effekt eine große Rolle bei der Anwendung von CBD spielt, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Was versteht man unter dem Begriff Entourage-Effekt?

Der Begriff Entourage-Effekt stammt tatsächlich aus der Cannabisforschung. Wenngleich sich die Mehrheit der wissenschaftlichen Untersuchungen der Cannabispflanze auf die Cannabinoide im Allgemeinen und THC und CBD im Besonderen konzentrierten, fand man nach einiger Zeit neben vielen weiteren Cannabinoiden auch andere Substanzen im Harz der Cannabispflanze. Und zwar Terpene und Flavonoide.

Cannabis Pflanze mit Blüten
Cannabispflanze mit Blüten

Sie haben noch nie davon gehört? Das kann schon sein – aber trotzdem sind ihnen diese Substanzen bereits bekannt. Dazu später mehr. Bleiben wir erst nochmal beim Harz der Cannabispflanze. In ihm stecken:

  • 113 Cannabinoide
  • mehr als 200 Terpene
  • über 200 weitere Stoffe wie Vitamine, Hydrocarbone und Flavonoide

Bereits im Jahr 1976 fanden Forscher heraus, dass CBD und THC einen Einfluss aufeinander haben und eine jeweils andere Wirkung zeigen, wenn man sie zusammen oder getrennt voneinander konsumiert. Bestätigt wurde diese Entdeckung 1999 von dem israelischen Wissenschaftler Raphael Mechoulam, der diesen Fakt fortan als Entourage-Effekt bezeichnete – abgeleitet von dem französischen Wort: Entourage für “Umgebung”.

2011 erbrachte der Cannabis-Forscher Dr. Ethan Russo einen weiteren Beweis für den Entourage-Effekt in Bezug auf die Substanzen im Cannabis Harz. Dr. Ethan Russo – ein US-amerikanischer Arzt und Wissenschaftler an der University of Massachusetts verfasste dazu einen umfassenden Bericht, indem er über das Zusammenspiel der zwei elementar wichtigsten Stoffe der Hanfpflanzen – den Phytocannabinoide und den Terpenen berichtete.

Aus seinen Ausführungen geht eindeutig hervor, wie das Zusammenspiel der einzelnen Pflanzenstoffe die Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Organismus bedingen und verstärken kann. 

Was besagt der Entourage-Effekt?

Im Grunde besagt der Entourage-Effekt Folgendes:

  • Ein pflanzlicher Wirkstoff erzielt eine bessere Wirkung, wenn er in Verbindung mit anderen Stoffen aus seiner natürlichen Umgebung zur Anwendung kommt. 

Daraus konnten die Forscher schlussfolgern und letztendlich auch nachweisen, dass die Synergien ( Synergien = Zusammenwirken von Substanzen oder Faktoren, die sich gegenseitig fördern) zwischen Terpenen und Cannabinoide zu einer besseren Bioverfügbarkeit führen.

Gut zu wissen

Die Bioverfügbarkeit ist eine pharmakologische Größe dafür, wie gut ein Wirkstoff aufgenommen wird und seine Wirkung entfalten kann. 

Was sind Terpene?

Über Terpene gibt es noch nicht allzu viel Wissen. Forscher nahmen bislang an, dass sie in Pflanzen ausschließlich als Schutzmechanismen dienen und Fressfeinde abwehren oder aber als Duftstoffe Insekten anlocken. Allerdings erschließen sich den Forschern mittlerweile ganz andere Tatsachen über diese unglaublichen Pflanzenstoffe. Genaueres erfährst du in unserem kommenden Beitrag: “Terpene” auf diesem Blog 

Wirkung des Entourage-Effekts 

Leider gibt es trotz aller Untersuchungen immer noch viel zu wenig Wissen über den Entourage-Effekt. Dr. Ethan Russo wies bereits mehrfach und entschieden darauf hin, dass es dringend notwendig ist, die Cannabispflanze und ihre wertvollen Inhaltsstoffe ausgiebig zu untersuchen. Nur so ist es möglich, den Entourage-Effekt in seiner Gänze zu verstehen und damit den vollen therapeutischen Nutzen aus den Pflanzenwirkstoffen zu ziehen. 

Cannabis Trichome
Trichome – bilden das Harz der Cannabispflanze

Es gibt die Annahme, dass Terpene im Zusammenhang mit dem Entourage-Effekt einen direkten Einfluss auf die Anbindung der Cannabinoide an die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems im menschlichen Körper haben. Außerdem gilt Cannabidiol CBD als Hemmer bzw. Gegenspieler von THC Δ9-Tetrahydrocannabinol. Es kann die psychoaktive Wirkung von THC herabsetzen.

Auch Terpene haben einen Einfluss auf THC – sie sind unter anderem dafür verantwortlich, wie viel THC in unserem Gehirn ankommt, da es ihnen gelingt, die Blut-Hirn-Schranke zu durchbrechen. Die Blut-Hirn-Schranke soll verhindern, dass schädliche Substanzen aus dem Blut in das Gehirn und so in das zentrale Nervensystem gelangen. 

Die Synergien von CBD und THC

Mittlerweile sind sich die Forscher sicher, dass CBD und THC sich gegenseitig beeinflussen und zwischen ihnen erhebliche Synergien bestehen, die für ihre Wirksamkeit eine wichtige Rolle spielen. So gibt es bereits einige Untersuchungen die beweisen, dass die teilweise unangenehmen Wirkungen von THC für manche Menschen durch die Zugabe von CBD gemindert werden können.

Dr. Ethan Russo wies bereits 2006 auf diese Tatsache hin. Als Beweis für das Zusammenspiel zwischen CBD und THC zieht Dr. Russo das Medikament Sativex heran. Hierbei handelt es sich um ein Medikament zur Behandlung von Spastiken bei Multipler Sklerose, welches aus einer Mischung von CBD und THC besteht. Dr. Russo selbst war an der Entwicklung von Sativex als leitender medizinischer Berater von Pharmaceuticals von 2003 bis 2014 beteiligt. 

In einer Studie mit 177 Personen, wurden diese aufgrund ihrer Krebsschmerzen untersucht und dafür in drei Gruppen geteilt:

  • Placebo Gruppe
  • THC Gruppe (Medikament mit hohem THC Gehalt) 
  • Sativex  Gruppe (Mischung THC und CBD)

Das Ergebnis: Rund 40% der Sativex-Gruppe zeigte eine mehr als 30-prozentige Schmerzreduktion unter der Einnahme. Das waren 50% mehr als in den beiden anderen Gruppen.(1) 

Das Gleiche stellte Dalton bereits im Jahr 1976 in einer Untersuchung mit einer kleinen Gruppe von 15 Probanden fest. Auch diese bekamen CBD und THC. 73% der Probanden gaben an, dass die berauschende Wirkung ohne CBD deutlich stärker ausfällt, als wenn THC zusammen mit CBD konsumiert wird.  (2)

Synergie Effekt von Terpenen und Cannabinoiden 

Zwar stehen die Forschungen zu den Substanzen in der Cannabis Pflanze noch ganz am Anfang. Dennoch gibt es bereits jetzt viele Beweise für die vielen Synergien und Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden und Terpenen. (3)

Cannabis Studien
Studien

Studien zum Entourage Effekt 

Folgende Ergebnisse sprechen für den Entourage-Effekt von Cannabis:

  • 1981 – Den Wissenschaftler Fairbain und Pickens gelang es in einer Studie den Entourage-Effekt nachzuweisen. Die Forscher konnten belegen, dass ein Pflanzenextrakt der Cannabispflanze mit dem gesamten Spektrum aller in ihr vorhandenen Substanzen 33% mehr Aktivität auslöst, als eine Substanz mit isoliertem THC. Damit sehen die Wissenschaftler die These von Inhibitor und Synergist bestätigt.(4)
  • 2013 – In dieser Studie untersuchten Forscher die Wirkung eines Medikaments auf Marihuana Basis im Vergleich mit synthetischem THC. Dafür wurden 983 Patienten befragt. Zur Überraschung der Forscher gaben 98% der Befragten an, dass sie Marihuana dem Medikament mit dem isolierten THC vorziehen würden. Dieses Ergebnis schreiben die Forscher dem Entourage-Effekt zu und führen es auf das Zusammenspiel von Terpenen und Cannabinoiden in der Hanfpflanze zurück  (5)
  • 2019 – In diesem Jahr ergab die Auswertung einer Metaanalyse, dass Vollspektrum-Extrakte bei Menschen mit Epilepsie weniger Nebenwirkungen aufweisen, als ein CBD Isolat. Das lässt vermuten, dass Terpene einen Einfluss auf die Wirksamkeit der Cannabinoide in unserem Körper haben. (6)

Terpene spielen eine bedeutende Rolle

In weiteren Untersuchungen stellte man fest, dass bereits kleinere Mengen von Terpenen in Cannabis-Extrakten einen großen Unterschied für deren Effekte bedeuten. 

Myrcen – ein Terpen, welches nicht ausschließlich in Cannabis, sondern auch in Zitrusfrüchten, Mango und Thymian zu finden ist, setzt den Widerstand der Blut-Hirn-Schranke herab, sodass nützliche Substanzen aus dem Cannabis-Extrakt diese passieren können. Das wiederum kann zu einer geringeren psychosomatischen Wirkung von THC führen.  (7)

Weiterhin ist in der Forschung bekannt, dass eine Kombination aus den Terpenen:

  • Myrcen
  • Pinen (8)
  • Caryophyllen

in der Lage ist, Angstzustände zu lindern. 

Das Cannabinoid Cannabigerol CBG zeigt in Verbindung mit den Terpenen:

  • Linalool(9) 
  • Limonen

vielversprechende Effekte bei der Behandlung von multiresistenten Krankenhauskeimen – MRSA. (10)

Zurzeit untersuchen die Wissenschaftler die Anwendung von CBD zusammen mit Linalool und Limonen auf Hauterkrankungen wie beispielsweise der Akne. 

Der Entourage-Effekt im Vollspektrum CBD Öl

Welche Auswirkungen hat dieses Wissen nun auf den Konsumenten von CBD Ölen? Diese Frage lässt sich jetzt relativ einfach beantworten: 

Achte beim Kauf von CBD Öl immer darauf, dass es sich um ein Vollspektrum Produkt handelt. Das heißt, dass du nur CBD Öle kaufen solltest, dessen Extrakt das volle Pflanzenspektrum aus dem Harz der Cannabis Pflanze enthalten. Dazu gehören neben den Cannabinoide (inkl. THC) auch Flavonoide und Terpene. Vorausgesetzt, du bist nicht allergisch auf eine der Substanzen.

Ein Isolat bzw. isolierte Cannabinoide können den Entourage-Effekt nicht bieten und sind damit nur halb so effektiv wie ein Vollspektrum Öl. Viele Anwender bestätigen diese Aussage und haben bereits aufgrund der Einnahme verschiedener CBD Produkte festgestellt, dass ihnen ein Vollspektrum CBD Öl am besten hilft. 

Das Besondere an einem Vollspektrum CBD Öl

Um das gesamte Potenzial der pharmazeutischen Substanzen aus der Cannabispflanze auszuschöpfen ist ein CBD Vollspektrum Öl nach wie vor eine der besten Möglichkeiten. In ihm sind alle chemischen Verbindungen wie Terpene, Flavonoide und Cannabinoide durch eine schonende Extraktion (am besten durch die CO2-Extraktion) enthalten, sodass durch die einzigartigen Synergien die Wirkung auf den menschlichen Organismus optimal ist. 

Cannabispflanze mit CBD Öl
Cannabispflanze mit CBD Öl

Die Verbindungen im Harz der Hanfpflanze und ihre Wirkungen

Die einzelnen chemischen Verbindungen im Harz der Hanfpflanze weisen häufig ähnliche Eigenschaften auf und stehen somit in ihrer Wirkung in einem engen Verhältnis zueinander. Das bedeutet, dass der Synergie Effekt der Cannabinoide untereinander nicht nur ihre Wirkung verstärken, sondern es in bestimmten Fällen sogar zu einer Verdopplung derselben kommt.

Flavonoide

Flavonoide – eine Gruppe von natürlichen Stoffen, zu denen ein großer Teil der in Blüten vorkommenden Farbstoffe zählt – sind ebenfalls Verbindungen, die sich im Harz der Cannabis Pflanze befinden. Aufgrund ihres therapeutischen Potenzials sind Flavonoide Bestandteil vieler pharmazeutischer, nutrazeutischer, medizinischer und kosmetischer Produkte. 

Mögliche Wirkungen von Flavonoiden:

  1. entzündungshemmend
  2. ödemprotektiv ( Schutz vor Wassereinlagerungen)
  3. antioxidativ
  4. antimikrobiell
  5. analgetisch (schmerzlindernd)

Ein Beispiel für ein wirksames Medikament gegen Hämorriden, welches Flavonoide enthält, ist die Salbe HAMETUM ®.

Terpene und Terpenoide

In der Forschung ist man bereits zu dem Schluss gekommen, dass Terpene und Terpenoide durchaus ähnliche Effekte auf unseren Körper aufweisen wie THC und CBD. (11)

Das wären beispielsweise folgende Wirkungen:

  1. antidepressiv
  2. entspannend
  3. antioxidativ
  4. antitumoral

Aus diesem Grund findet man Terpene und Terpenoide als biogene Arzneistoffe in vielen Medikamenten wieder. 

So soll der Extrakt aus Ginkgo-Blättern, in welchem Ginkgolide (Terpene) enthalten sind, die Durchblutung des Gehirns fördern und wird daher in entsprechenden Produkten wie beispielsweise Tebonin® angeboten.

Antitumorale Effekte der verschiedenen Substanzen in der Cannabispflanze

Obwohl zu all den genannten Verbindungen nur wenige Studienergebnisse existieren und die Forschung dazu noch in den Kinderschuhen steckt, werden bereits seit Jahrhunderten Derivate aus Cannabis aufgrund ihrer biologischen Aktivität zur Behandlung unterschiedlichster Probleme genutzt. 

Im Jahr 2020 wurde eine Metaanalyse verschiedener Untersuchungen veröffentlicht, in der nachgewiesen wurde, dass nicht ausschließlich die Cannabinoide antitumorale Effekte aufweisen, sondern auch Terpene und Flavonoide eine Wirksamkeit gegenüber Krebszellen besitzen. 

Übersicht zu einigen Studien

VerbindungenCannabinoideTerpeneFlavonoide
entzündungshemmend(12)(16)(20)
antitumoral(13)(17)(21)
schmerzlindernd(14)(18)(22)
entspannend(15)(19)(23)

Fazit

Das Phänomen des Entourage-Effekts und der vielen Inhaltsstoffe von Cannabis wird die Forschung noch eine ganze Weile auf Trab und sicher die eine oder andere Überraschung bereit halten. Fakt ist aber schon jetzt, dass ein Vollspektrum Extrakt, wie ihn Vollspektrum CBD Öle enthalten, eine größere Bioverfügbarkeit und damit eine bessere Wirksamkeit aufweisen als ein Isolat. Ein gutes CBD Öl sollte daher immer neben CBD weitere Cannabinoide, Flavonoide und Terpene enthalten.  

Auch scheint es sicher, dass vermehrte Nebenwirkungen durch die vielen verschiedenen Substanzen nicht auftreten. Ganz im Gegenteil, bedingen die Synergien der Stoffe untereinander eher eine Minderung von Nebenwirkungen. Ausgenommen sind hierbei natürlich Allergien auf einzelne Bausteine, wie sie beispielsweise bei Terpenen immer mal wieder vorkommen. 

Quellen:

  1. https://www.jpsmjournal.com/article/S0885-3924(09)00787-8/fulltext
  2. https://ascpt.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/cpt1976193300
  3. https://www.nature.com/articles/d41586-019-02528-1
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3165946/
  5. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24175484/
  6. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30258398/
  7. https://www.humboldt.de/sites/default/files/2018-10/978-3-86910-334-1_Wanitschek_Vigl_Cannabis%20und%20Cannabidiol%20richtig%20anwenden.pdf
  8. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25188609/
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6206409/
  10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6982812/
  11. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-222006/pharmakologie-ausgewaehlter-terpene/
  12. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2828614/#:~:text=Cannabinoids%20are%20potent%20anti%2Dinflammatory,%2Dregulatory%20cells%20(Tregs).
  13. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5641363/
  14. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2503660/
  15. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12648025/
  16. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30287506/
  17. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30287506/
  18. https://www.pnas.org/content/105/26/9099
  19. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12587690/
  20. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6357032/
  21. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6357032/
  22. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7037709/
  23. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30118763/

annett.jaeger

Journalistin / Autorin

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