Anandamid – wissenschaftlich korrekt: Arachidonylethanolamid – ist das Ethanol Amin-Derivat der Arachidonsäure. Diese vierfach ungesättigte Fettsäure tritt besonders häufig im zentralen Nervensystem auf. Anandamid wird vom Körper selbst gebildet. Tatsächlich weiß man heute, dass es sich bei Anandamid um ein sogenanntes Endocannabinoid handelt, also ein Cannabinoid, das der Mensch im Körper produziert und dem wichtige Aufgaben zugedacht sind.

Endocannabinoide wie Anandamid binden als lipidbasierte retrograde Neurotransmitter an die Cannabinoidrezeptoren (CB1 oder CB2) an. Alle bis heute identifizierten Endocannabinoide sind Arachidonsäureanaloga. Die wichtigsten dieser Eicosanoidmoleküle sind:

  • Arachidonylethanolamid (Anandamid)
  • 2-Arachidonoylglycerol (2-AG)
  • Arachidonylglycerylether (Noladinether).

Was ist Anandamid?

Das Endocannabinoid-System unseres Körpers ist ein Wunderwerk der Natur. Es besitzt tiefgreifende Auswirkungen auf unseren Organismus und damit auf unser Wohlbefinden. Bei Anandamid handelt es sich um eines der wichtigsten Moleküle dieses Systems.

Anandamid

Der Name Anandamid ist abgeleitet von dem Sanskrit Wort Ananda, was so viel wie Glückseligkeit bedeutet. Das sagt schon einiges über seine psychoaktive Wirkung aus – wie zum Beispiel Schmerzlinderung oder die Beeinflussung des Belohnungssystems in unserem Körper. 

Anandamid spielt mit seiner Beteiligung an der Steuerung des Gleichgewichts in unserem Körper, genannt Homöostase, eine wichtige Rolle. Damit gehört es zu den wichtigsten Endocannabinoiden in unserem Organismus. Genau wie Tetrahydrocannabinol (THC) ist das Molekül für die Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren verantwortlich und beeinflusst zahlreiche wichtige Funktionen des menschlichen Körpers.

Die Entdeckung des Endocannabinoids

Die Entdeckung von Anandamid fand bereits 1992 durch den US-amerikanischen Pharmakologen William Anthony Devane und den tschechischen Chemiker Lumír Ondřej Hanuš statt. Ihnen gelang es, Arachidonylethanolamid (AEA) als erstes Endocannabinoide aus einem Schweinegehirn zu isolieren.

Trotz seiner abweichenden chemischen Struktur von Tetrahydrocannabinol aus der Cannabispflanze wirkt Anandamid ähnlich wie THC am CB1- Rezeptor des Endocannabinoid-Systems und übt dort vergleichbare Effekte aus.

1996 konnten Wissenschaftler *innen geringe Mengen von Anandamid in Schokolade nachweisen. Die Forscher Piomelli, Tomaso und Beltramo berichteten über ein Anandamid-Vorkommen in der Kakaobohne. Das darin enthaltene Anandamid könnte teilweise bewirken, dass wir beim Verzehr von Schokolade ein Glücksgefühl empfinden.

Wie der Körper Anandamid produziert

Die Produktion bzw. Synthese von Anandamid findet im Gehirn in Gewebe und Zellmembranen statt. Hier wird das Endocannabinoid durch Kalzium-abhängige Abspaltung von Lipidvorläufern (z. Bsp.: Milchsäure, Serin oder α-Liponsäure) synthetisiert.

Das findet vor allem im Hippocampus (Teil des limbischen Systems, der sich am Boden des Unterhorns des Seitenventrikels befindet) statt. Als lipophile Substanz kann Anandamid durch Membranen diffundieren (eindringen, durchdringen) und rezeptor-unabhängige Wirkungen auslösen. 

Die Wirkung von Anandamid

Ähnlich wie bei THC kommt es zwischen Anandamid und den Cannabinoid-Rezeptoren in unserem Gehirn zu Wechselwirkungen, die entweder das zentrale oder das periphere Nervensystem beeinflussen. Während es in Gehirn und Rückenmark – also dem zentralen Nervensystem – mit CB1- Rezeptoren interagiert, steht es im peripheren Nervensystem vermehrt mit den CB2-Rezeptoren in Wechselwirkung. 

Vor allem bei der Regulierung von Appetit und Schmerzen spielt das Molekül eine entscheidende Rolle. Wenngleich die Wirkung von Anandamid denen von THC ähnelt, fällen seine Effekte 4 bis 20 mal geringer aus als bei THC.  

Gut zu wissen:

2015 gelang deutschen Forscher *innen eine interessante Entdeckung: Die während des Sport im zentralen Nervensystem produzierte Endorphine – gerne auch als Glückshormone bezeichnet – können kein “Rauscherleben” im Gehirn auslösen. Anandamid ist sehr wohl in der Lage, einen solchen Rausch hervorzurufen. 

Zusätzlich reagiert Anandamid auf Nervenverletzungen und Entzündungen. Mit seiner hohen Affinität zu den CB1-Rezeptoren spielt es eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von nozizeptiven Informationen. 

In einer weiteren relativ aktuellen Studie beschreiben Wissenschaftler *innen der Ruhr-Universität Bochum (RUB) einen neu entdeckten Signalweg, über den Anandamid in der Lage sein soll, die Bronchien weit zu stellen. Das bietet einen interessanten Therapieansatz für Asthmatiker *innen.

Die Forscher *innen fanden den Signalweg über die FAAH-Hemmung sowohl in Mäusen als auch in humanen Bronchialzellen. Wie Anandamid wirkt, wurde in Mausmodellen nachgewiesen, bei denen vorher ein künstliches Asthma erzeugt wurde. (1)

Außerdem entdeckten die Forscher *innen, dass bei den Asthma Mäusen nicht nur weniger Anandamid, sondern auch andere Endocannabinoide reduziert nachweisbar waren. Das lässt den Schluss zu, dass ein Anandamid Mangel bzw. eine Mangel an Endocannabinoiden als Ursache für Asthma infrage kommt. 

Anandamid bei Asthma

Bewegung mit Anandamid: Schmerzfrei und glücklich

Wie bereits erwähnt, zeigen klinische Studien an der Maus, dass nicht die Endorphine, sondern tatsächlich die körpereigenen Cannabinoide den sogenannten Runners High auslösen. Im Jahr 2020 veröffentlichte ein deutsches Forscherteam eine Doppelblindstudie. In der zeigte sich, dass das Läuferhoch beim Menschen von den Endocannabinoiden abhängig ist.

Auch wenn es sich nur um eine kleine Studie handelt, bestätigt diese doch die umfassende Bedeutung der körpereigenen Cannabinoide. Von den Teilnehmenden der Studie wiesen 63 nach etwa 45 Minuten Laufzeit bei mittlerer angepasster Intensität eine gesteigerte Euphorie auf und erschienen weniger ängstlich.

Gleichzeitig konnte eine Zunahme des Plasmaspiegels von Anandamid und 2-Arachidonoylglycerol beobachtet werden. Gemütliches Spazierengehen zeigte keinen dieser Effekte.

Obwohl den Teilnehmenden ein Blocker für Opioidrezeptoren verabreicht wurde, sodass Endorphine als Verursacher der Euphorie ausgeschlossen werden konnten, trat o.g. Euphorie auf. Das deutet darauf hin, dass Endocannabinoide zu den Hauptakteuren beim Läufer-Hoch gehören. (2)


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Interaktion von Anandamid mit dem Endocannabinoid-System

Das Vorkommen von Anandamid im Hippocampus beeinflusst das Lernen und die Gedächtnisleistung. Zudem konnte man nachweisen, dass Anandamid in den Basalganglien und dem Hypothalamus die Bewegungsaktivität, Nahrungsaufnahme und das Belohnungssystem modelliert. Über Rückenmark und Gehirn wirkt es außerdem antinozizeptiv und somit dem Schmerz entgegen.

Auch in peripheren Geweben ist es aktiv und übt lokale Effekte auf die Regulation des Gefäßtonus (Spannung der Gefäße) und die Embryonalentwicklung aus. Anders als die vielen weiteren Neurotransmitter in unserem Körper, deren Aufgabe es ist, Signale von einer zur anderen Nervenzelle zu übermitteln, wirken Anandamid und die anderen Cannabinoide als sogenannte retrograde Botenstoffe.

Das bedeutet: Die Übermittlung der Signale erfolgt von einer nachgeschalteten (postsynaptischen) zu einer vorgeschalteten (präsynaptischen) Nervenzelle. Somit sind Endocannabinoide in der Lage, bei einer überaktiven Nervenzelle über ein G-Protein die Ausschüttung weiterer Botenstoffe zu hemmen.

Das ist nur ein Wirkmechanismus des Endocannabinoids. Forscher *innen fanden weitere spannende Tatsachen heraus. Beispielsweise, dass Anandamid mit Ionenkanälen – insbesondere mit Kaliumkanälen – in unserem Körper interagiert und je nach Kanal sowohl hemmende als auch stimulierende Effekte hat.

Interaktion des Endocannabinoids mit Ionenkanälen

Bei Kaliumkanälen handelt es sich um eine Gruppe aus 70 verschiedenen Ionenkanälen. Diese sind in nahezu jeder Zelle unseres Körpers anzutreffen. Ihre Aufgaben bestehen in:

  • der Regulation von Neurotransmittern
  • der Regulation der Herzfrequenz
  • der Steuerung der Muskelkontraktion
  • der Freisetzung von Hormonen
  • der Regulierung des Zellüberlebens.

Somit stellen diese speziellen Ionenkanäle und deren Interaktion mit den körpereigenen Cannabinoiden einen interessanten Ansatz zur Entwicklung neuer Therapien gegen verschiedene Krankheiten dar. Dazu gehören neben Krebs auch metabolische, neurologische und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Die Beziehung zwischen Anandamid und medizinischem Cannabis

Cannabis Forschung

Dass wir heute so viel über das Endocannabinoid Anandamid wissen, verdanken wir der Cannabis Forschung. Im Zuge der Untersuchungen von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) kam es zur Entdeckung des Endocannabinoid Systems. Dabei stieß man auch auf Anandamid.

Einer der Vorreiter bei diesen Untersuchungen ist Dr. Ethan Russo. Er nimmt an, dass die Ursache vieler moderner Krankheiten ein klinischer Endocannabinoid Mangel (CECD) ist. Häufige Ursache eines solchen Mangels ist die Konzentration von Anandamid im Körper.

Nach Meinung des Wissenschaftlers ist die Einnahme von THC, CBD und anderen Cannabinoiden dafür geeignet, das Endocannabinoid-System zu stabilisieren und somit Krankheiten wie Migräne, Reizdarmsyndrom oder Fibromyalgie positiv zu beeinflussen.

Medizinisches Cannabis und Anandamid stehen in enger Verbindung zueinander und zeugen von einer starken Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Körper.

Anandamid und das Belohnungssystem

Mehreren Studien ist zu entnehmen, dass Anandamid bei unserem Belohnungssystem eine große Rolle spielt. Begründet wird das mit der Tatsache, dass Areale die mit dem Belohnungssystem in Verbindung stehen, wie:

  • Ventrales tegmentales Areal (VTA)
  • Pars compacta der Substantia Nigra
  • Nucleus accumbens
  • weitere Strukturen des limbischen Systems wie präfrontaler Cortex, Amygdala, Hippocampus

über CB1- Rezeptoren verfügen, die von Anandamid moduliert werden. Auch bei unterschiedlicher Wirkweise erhöhen sogenannte Rauschdrogen in der Regel die Dopamin-Freisetzung, was bei uns zu Lustgefühlen führt. Das betrifft nicht ausschließlich die Libido, sondern auch Belohnungen wie gutes Essen.

Aufgrund aktueller Forschungsergebnisse besteht die These, dass Endocannabinoide wie Anandamid die Aktivität der Dopamin-produzierenden Neuronen modulieren. Das führt zu einem möglichen therapeutischen Ansatz für Drogenkranke.

Anandamid wirkt ebenso wie THC und andere Phytocannabinoide stimulierend auf die zentralen CB1- Rezeptoren. Ein unablässiges Stimulieren durch den Konsum von Cannabis bringt das System aus dem Gleichgewicht und es kommt zu Abhängigkeiten.

Durch die Modulation des Anandamid-Spiegels sollen diese Störungen behandelt werden: Indem man das Enzym FAAH unterdrückt, wird der Abbau von Anandamid verlangsamt. Durch die Hemmung der Aufnahme von Anandamid über die Zellmembran könnte zusätzlich eine erhöhter Endocannabinoid Spiegel auftreten.

Anandamid schützt vor Krämpfen

Schon im Jahr 2003 veröffentlichte das Max-Planck-Institut einen Artikel dazu, dass es in unserem Gehirn einen Schutzmechanismus gibt, der auf Basis von Cannabinoid-Rezeptoren dafür sorgt, selbiges nicht außer Kontrolle geraten zu lassen.

Felix Gesell und Andrea Tipold von der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben festgestellt, dass Hunde mit Epilepsie gegenüber gesunden Tieren erhöhte Werte eines mit Cannabis verwandten Stoffes in ihrer Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit aufweisen.

Dieses Forschungsergebnis könnte wegweisend für die Entwicklung neuer Epilepsie-Medikamente für Hunde sein und auch der Humanmedizin dienen. Gesell und Tipold gingen der Frage nach, ob die Gehalte an den Endocannabinoiden Anandamid und Arachidonoylglycerol in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) bei epileptischen Hunden gegenüber gesunden Tieren verändert sind.

Hierzu untersuchten die Wissenschaftler Liquor Proben von 40 Hunden mit idiopathischer Epilepsie und zum Vergleich 16 gesunder Hunden. Aus den Patientenakten wurden Daten über den klinischen Verlauf der Erkrankung ermittelt.

Während die Arachidonoylglycerol-Gehalte Liquor der kranken und der gesunden Hunde keinen deutlichen Unterschied aufwiesen, waren die Konzentrationen an Anandamid bei Hunden mit idiopathischer Epilepsie höher.

In einer Untergruppe von Hunden mit schweren Anfällen wurden dabei deutlich höhere Anandamid Konzentrationen gemessen als bei Hunden mit weniger intensiven Anfällen. Neben der Intensität der Anfälle konnte auch für die Dauer der Erkrankung ein Zusammenhang zu höheren Anandamid-Konzentrationen festgestellt werden.

Anandamid bei Hunden mit Epilepsie

Hunde, die schon länger als sechs Monate an idiopathischer Epilepsie litten, hatten höhere Anandamid Konzentrationen als Hunde mit einer Krankheitsdauer unter einem halben Jahr.

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Hinweise auf die Wirksamkeit von Anandamid und anderen Cannabinoiden

„Hinweise auf die Wirksamkeit von Cannabinoiden gibt es mehrfach: aus tierexperimentellen Untersuchungen, epidemiologischen Daten und schließlich aus individuellen Patientenerfahrungen.“

erläutert Prof. Dr. Andreas Schulze-Bonhage, Abteilungsleiter des Epilepsiezentrums am Neurozentrum des Universitätsklinikum Freiburg, in einem Interview mit Medscape Deutschland im Jahr 2015 (3).

Weiter heißt es dort:

„Es ist zu erwarten, dass Cannabidiol in einigen Jahren in den USA zur Behandlung zugelassen wird, wenn derzeit dort stattfindende Studien erfolgreich verlaufen.“

meint er. Cannabinoid-haltige Arzneimittel sind in einigen US-amerikanischen Bundesstaaten bereits erlaubt.

Hanf-Behandlung schon im Mittelalter

Dabei geht es nicht um eine kleine Gruppe, sondern um ein Drittel aller Epileptiker – und zwar denen, die trotz verschiedener Therapien weiter unter Anfällen leiden.

Studien beweisen eindeutig: Patienten mit Temporallappen-Epilepsie weisen eine Dysfunktion im Endocannabinoid-System auf. Sie zeigen einen deutlich geringere Anandamid Konzentration als gesunde Personen.

Bereits im Mittelalter wurde Hanf zur Behandlung von Epilepsie verwendet. Dabei lag der Fokus immer auf THC. Daher ist bislang über die antikonvulsive Wirkung anderer Phytocannabinoide nur wenig bekannt. Allerdings konnte nachgewiesen werden, dass das nicht psychoaktive Cannabidiol (CBD) ebenfalls eine Krampfneigung senken kann.

Zusammenhang von CBD und Anandamid

Cannabidiol (CBD) zeichnet sich durch vielfältige Wirkmechanismen aus. Als Arzneimittel findet es bereits bei unterschiedlichen – vor allem chronischen Erkrankungen – Anwendung. So wird es laut dem Deutschen Hanfverband zum Beispiel bei Menschen mit Spastiken, Multipler Sklerose und Epilepsie eingesetzt.

Eine israelische Studie untersuchte die Wirksamkeit von CBD an 74 Kindern und Jugendlichen, denen das Cannabinoid in einem Verhältnis von 20:1 CBD zu THC verabreicht wurde. Dabei zeigte sich bei 90 Prozent der Probanden – die auf herkömmliche Epilepsie-Behandlungsmethoden nicht ansprachen – eine deutliche Anfallsminderung.

Auch bei Patienten mit psychotischen Störungen wie beispielsweise einer Schizophrenie wird die antipsychotische Wirkung von CBD auf die Erhöhung des Anandamid-Spiegels zurückgeführt.
Die These besagt, dass CBD in der Lage ist, sowohl die Aufnahme als auch den Abbau von Anandamid zu hemmen. Dadurch wird die Anandamid-Konzentration erhöht.

Die Erkenntnis daraus: Die Aktivierung der Rezeptoren CB1 und CB2 durch Anandamid kann mithilfe des Cannabinoids CBD gefördert werden, was einen antipsychotischen Effekt zur Folge hat.


Annett Jäger

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