Wer sich ein wenig mit Cannabis, CBD Öl, ätherischen Ölen oder ähnlichen Themen beschäftigt, wird über kurz oder lang auf die Terpene stoßen – eine Gruppe natürlicher chemischer Substanzen, die auch im Hanf vorkommen. Die Cannabispflanze produziert diese neben den bekannten Cannabinoiden in ihren Drüsen – den sogenannten Trichomen.

Terpene-natürliche-pflanzenstoffe
Terpene in Pflanzenöl

Terpene sind unter anderem für den Geschmack und den Duft von Cannabis verantwortlich. Und obwohl wir sie alle kennen, wissen doch die wenigsten etwas mit dem Begriff Terpene anzufangen. Was genau sind also Terpene? Findet man sie nur in der Cannabispflanze? Was ist ihre Aufgabe? Alle diese Fragen findest du im folgenden Beitrag beantwortet.

Was genau sind diese Terpene?

Terpene sind chemische Verbindungen weit verbreiteter Naturstoffe, die in Cannabis und vielen anderen Pflanzenarten, aber auch in Tieren, Pilzen und Mikroorganismen vorkommen. Bereits 1892 wurden von den Wissenschaftlern Leopold Ruzicka und Otto Wallach die ersten 9 Terpene eindeutig beschrieben.

Ihren Namen haben die Substanzen allerdings von August Kekulé, der sie nach dem Baumharz Terpentin benannte. Mittlerweile kennt die Wissenschaft 8.000 verschiedene Terpene und mehr als 30.000 Terpenoide.

Gefunden werden Terpene zum Beispiel in Blüten und Kräutern, für dessen Duft und Aroma sie verantwortlich sind. Aufgrund ihrer vielen unterschiedlichen Eigenschaften und Wirkungen nutzt man sie in der Pharmakologie als Arzneistoffe.

Was ist der Unterschied zwischen Terpenen und Terpenoiden?

Während es sich bei Terpenen um reine Kohlenwasserstoffe handelt, stellen Terpenoide funktionelle Gruppen dar. Allerdings werden sie trotz ihrer Unterschiede häufig unter dem Begriff Terpene zusammengefasst.

Der ungesättigte Kohlenwasserstoff 2-Methylbuta-1,3-dien, auch Isopren genannt, dient den Terpenen als Grundeinheit. Isopren wird von unzähligen Pflanzenarten produziert und in die Erdatmosphäre abgegeben. Somit sind Isoprene, als auch Terpene und Terpenoide eine große Gruppe von Naturstoffen, die eine Gemeinsamkeit besitzen: Ihre Struktur besteht aus Isopreneinheiten. 

Auch wenn Terpene bislang nur ungenügend erforscht sind, weiß man bereits, dass sie sowohl in Cannabis als auch in vielen anderen Pflanzen und Organismen und somit in der gesamten Natur wichtige Aufgaben innehaben.

Terpene in der Natur

Terpene dienen sowohl Pflanzen als auch Tieren als Geruchs- und Aromastoffe sowie zur Kommunikation. Zusätzlich schützen sie ihre Träger vor Schädlingen – sogenannten Fressfeinden – und dienen ihnen außerdem als Lockstoffe, um Insekten für die Befruchtung anzulocken. Und last but not least sind sie für den typischen Geschmack und individuellen Duft vieler Pflanzen und Tiere verantwortlich.

Die meisten von uns kennen Terpene als ätherische Öle. Sie kommen beispielsweise in Minze oder Eukalyptus vor. Weltweit wurden über 2000 Pflanzenarten gefunden, in denen solche ätherischen Öle enthalten sind. Neben einigen anderen Stoffen bilden Terpene den Hauptbestandteil ätherischer Öle. Daher die Behauptung, dass wir alle sie kennen.

Terpene in Eukalyptus Bäumen
Eukalyptusbäume Wald

Typisch für so ein Vorkommen sind Pflanzen wie Melisse, Tannen oder Cannabis. Viele ätherische Öle werden in der Aromatherapie aber auch als altbewährtes Hausmittel eingesetzt und sind bekannt für ihre wohltuenden beruhigenden, erfrischenden und bisweilen sogar schmerzlindernden Wirkungen.

Aufgaben von Terpenen

Terpene haben mehrere biologische Bedeutungen in Pflanzen und anderen Organismen. So sind neben dem Geschmack und dem Duft außerdem zuständig für:

  • die Kommunikation der Pflanzen untereinander
  • das Anlocken von Insekten zur Bestäubung
  • den Schutz als natürliches Insektizid
  • den Sonnenschutz von Bäumen freigesetzt
  • die Temperaturregulation im Wald
  • die Bereitstellung von Farbe, Geruch und Geschmack

Überraschend sind die Themen Kommunikation und Regulation der Temperatur im Wald.

  • Forscher konnten feststellen, dass beim Temperaturanstieg einer Pflanze von dieser mehr Terpene produziert werden. Diese verdunsten anschließend und kühlen so die Pflanze.
  • Wird eine Pflanze im Wald von Fressfeinden geschädigt, sendet diese mithilfe von Terpenen bestimmte Lockstoffe für Insekten aus, welche die Fressfeinde vertreiben oder selbst fressen. Die Pflanzen in ihrer Umgebung erkennen das Signal und tun es ihr gleich.
  • Um verschiedene Insekten anzulocken, sind Pflanzen mithilfe von Terpenen dazu in der Lage, unterschiedliche Geruchs- und Duftmuster zu produzieren, auf die entweder Wespen oder aber Ameisen reagieren – je nach Bedarf.

Wie werden Terpene unterschieden

Die Einteilung von Terpenen wurde durch die Forscher entsprechend der chemischen Verbindungen und Strukturen der Substanzen vorgenommen. So gibt es Sorten und Untersorten, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würde. Ich beschränke mich hier auf die Hauptgruppen:

1. Hemiterpene

  • besitzen 5 Kohlenstoffatome
  • bilden die kleinste Terpenen–Gruppe
  • umfassen derzeit 25 bekannte Substanzen

2. Monoterpene

  • werden in Nahrungsmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie verwendet
  • ein bekanntes Monoterpen – Limonen – kommt in Zitrusfrüchten, Koriander und Kümmel vor
  • besitzen pharmakologische Wirksamkeit – Bsp.: 1,8 Cineol gehört zu den Limonenoxiden und wird bei Atemwegserkrankungen aufgrund seiner schleimlösenden und bakteriziden Effekte eingesetzt

3. Sesquiterpene

  • sind anderthalbfach-Terpene
  • kommen in Pheromonen, Phytohormonen und Antibiotika vor
  • Bsp.: Caryophyllen = Nelkenöl, gerne als Hausmittel bei Zahnschmerzen verwendet (1)

4. Sesterterpene

  • kleiner Gruppe
  • in Bienenwachs und niederen Pilzen zu finden
  • viele von ihnen haben eine antibakterielle Wirkung

5. Diterpene

  • sind Bestandteile von Harzen und Vitamin A Retinal
  • sind in der Regel dickflüssig oder fest
  • eine Untergruppe – Taxane – werden als Zytostatika in der Krebstherapie aufgrund ihrer krebshemmenden Wirkung verwendet

6. Triterpene

  • mehr als 1500 verschiedene Verbindungen
  • unter anderem Vitamin D und Gallensäure
  • hindern Krebszellen am Wachstum (2)

7. Tetraterpene

  • zu ihnen gehören z. Bsp. Carotinoide
  • Antioxidanzien – fangen freie Radikale ab

8. Xanthophylle

  • gehören ebenfalls zu den Carotinoiden
  • finden Verwendung in der Futtermittelindustrie und Pharmakologie

9. Polyterpene

  • kommen fast ausschließlich in Milchröhren und Milchsaftzellen von Pflanzen vor
  • besitzen mehr als 40 Kohlenstoffatome und über 8 Isopreneinheiten

Terpene können Allergien auslösen Allergien

Ätherische Öle, die voll sind von Terpenen, haben nicht nur positive Effekte. Sie sind ebenso dazu in der Lage, Allergien auszulösen. Das liegt unter anderem an dem Isomer des Monoterpen „α Pinen“. Es steckt beispielsweise in Fenchel, Dill und Koriander. Dieses Terpen wird tatsächlich als gesundheitsschädlich eingestuft, weshalb einige ätherische Öle im Verdacht stehen, bereits nach kurzer Zeit Allergien auszulösen.  

Die Bedeutung von Terpenen

Seit Jahrtausenden werden Terpene aufgrund ihrer vielen positiven Eigenschaften in der Naturheilkunde zur Behandlung unterschiedlicher Beschwerden herangezogen. Und das recht wirkungsvoll.

Sie bilden außerdem die Grundlage für die Aromatherapie und viele von ihnen zeigen hier ganz erstaunliche Wirkungen. Wir spüren das zum Beispiel auf ganz natürliche Art und Weise nach einem ausgiebigen Waldspaziergang, der die Sinne beflügelt und für geistige Entspannung sorgt. Forscher haben festgestellt, dass die Waldluft im Vergleich zur Stadtluft nicht nur 90% weniger Staub enthält, sondern sprichwörtlich „schwanger“ ist mit Stoffen, die uns guttun.

In Japan sind aus diesem Grund regelmäßige Waldbesuche bzw. das neue „Waldbaden“ ein fester Bestandteil in der Gesundheitsvorsorge. Wie genial! Und bereits seit 2012 gibt es an japanischen Universitäten den Forschungszweig „Waldmedizin“.

Terpene in ätherischen Öle, Seifen, Gewürze

Neben ihren wertvollen gesundheitlichen Effekten verzaubern Terpene aber auch durch Düfte und Aromen und werden daher in der sogenannten Riechstoffindustrie für die Produktion von Parfüm, Waschmitteln oder Kosmetika verwendet.

Wichtige Terpene

Selbst, wenn man noch lange nicht alle Terpene erforscht hat oder gar kennt, ist die Wissenschaft sich darüber klar, dass die natürlich chemischen Stoffe der Hanfpflanze ein großes therapeutisches Potenzial aufweisen. Dessen war man sich bereits im Altertum bewusst, wo man Cannabis in der Naturheilkunde erfolgreich anwendete.

Cannabis – Terpene verfügen erwiesenermaßen über viele positiven Eigenschaften, die unserer Gesundheit dienlich sein können. Zusätzlich verstärken sie aufgrund vorhandener Synergien (Entourage-Effekt) die Wirkung der im Hanf enthaltenen Cannabinoide.

  • Myrcen ist ein Monoterpen, welches man außer in Hanf beispielsweise auch in Hopfen, Kümmel und Salbei finden kann. In Studien wurde nachgewiesen, dass Myrcen beruhigende und entspannende Effekte (3) aufweist und außerdem als Katalysator für Cannabidiol CBD und Tetrahydrocannabinol THC, den beiden berühmtesten Cannabinoiden aus dem Harz der Hanfpflanze dient. (4)
  • Limonen gehört ebenfalls zu den Monoterpenen. Es wird zum einen als Duftstoff bei der Parfümherstellung genutzt und zum anderen dient es als Ausgangsstoff für die synthetische Herstellung von THC. Seine positiven Effekte sind unglaublich: antitumoral, antiviral, entzündungshemmend und antibakteriell. (5)
  • Caryophyllen interagiert, ähnlich wie die Cannabinoide, als einziges Terpen mit dem menschlichen Endocannabinoid-System ECS. Bislang berichten mehr als 500 Publikationen von seiner pharmazeutischen Wirksamkeit  – vor allem von seinen entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften. (6)

Warum sind Cannabis-Terpene so besonders?

Stelle dir Terpene einfach als das Bindeglied einer Kette vor – also als ein kleines Teilchen, zu dessen Aufgaben es gehört, Wirkstoffe miteinander zu verbinden und in Prozessen als Botenstoff bzw. Informationsträger zu fungieren. Denn genau das tun Terpene.

Sie sind tatsächlich dazu in der Lage, Stoffwechselprozesse anzukurbeln oder in Gang zu setzen, und somit einen positiven Einfluss auf unser körperliches und geistiges Wohlbefinden zu nehmen.

Was ist der Entourage-Effekt der Cannabis-Terpene

Bei der Erforschung von Cannabis und seinen vielen wertvollen chemischen Substanzen stießen Forscher auf den berühmten Entourage-Effekt. Er besagt, dass die Wirksamkeit eines Pflanzenstoffes um ein Vielfaches verbessert wird, wenn man ihn zusammen mit anderen Substanzen aus seiner natürlichen Umgebung anwendet oder konsumiert.

Der Grund dafür sind die zwischen den einzelnen Pflanzenstoffen bestehenden Synergien, denn diese sind nicht zufällig in einem Organismus genau in dieser Zusammensetzung vorhanden. Diese Synergien sorgen nachweislich für eine bessere Wirkung der Cannabinoide. (7)

Darum solltest du auch nur CBD Öle verwenden, die das volle Pflanzenspektrum enthalten – sogenannte „Vollspektrum CBD Öle“.

Terpene in Cannabis Harz
Cannabis Blüte

Wie Terpene aus Cannabis Pflanzen wirken

In Cannabis stecken neben unzähligen Cannabinoiden rund 140 der organischen Kohlenwasserstoffe. Einige davon habe ich in folgender Übersicht aufgeführt:

Terpene

Wirkung auf menschlichen Organismus
pharmazeutischer Nutzen
Myrcensedierend entspannen verstärkt THC Effekt
Entzündungshemmer Reduzierung von Keimen Pilzhemmer
Limonen
Stimmungsaufheller, Abbau von Stress
Antidepressivum Angstlöser Pilzhemmer Regulation der Magensäure
Humulene (8)Appetithemmer
Entzündungshemmer Reduzierung von Keimen Schmerzlinderung
Pinene (9)
Steigerung Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit, Wachheit
Entzündungshemmer Erweiterung der Bronchien
Linalool (10)
sedierend beruhigende Wirkung
Linderung von Stress und Schlafstörungen Antidepressivum Schmerzlinderung Lösung von Kämpfen
Caryophylleneentspannend
Antioxidans Linderung von Schlafstörungen Entzündungshemmer Schmerzlinderung
Ocimene (11)keine bekannt
Entzündungshemmer Abwehr gegen Pilze
Terpinene (12)beruhigend
Antioxidans Abwehr gegen Pilze und Bakterien

Terpen sind im Grunde aromatische nanopartikelgroße Moleküle, sodass sie die berühmte Blut-Hirn-Schranke überwinden, ins zentrale Nervensystem gelangen und dort wirken können. Die Blut-Hirn-Schranke ist eine nur schwer zu durchdringende Schicht zwischen unserem Gehirn und dem Blutkreislauf. Sie soll verhindern, dass bestimmte Stoffe in unser Gehirn gelangen können und es so schützen.

Nützliche Eigenschaften der Terpene

Die Medizin nutzt seit langem Terpen aufgrund ihrer vielen positiven Eigenschaften (13):

Antivirale Terpene

Schon 1994 entdeckte man ein antivirales Terpen – das Triterpene Betulinsäure. Heute setzt man synthetische Derivate dieses Stoffes gegen HIV ein. Es hindert das HI-Virus daran, in die Wirtszelle einzudringen und hält so seine Reifung bis zum infektiösen Stadium auf.

Terpene für die Tumorbehandlung

Monoterpene verfügen über antikanzerogene Wirkungen. Sie hemmen das Wachstum von Tumoren und halten in manchen Fällen eine Metastasierung auf.

Beispiel: Limonen hemmt bei Mäusen und Ratten induzierte Tumore im Magen und der Lunge.

gesundes Obst und Gemüse
Obst und Gemüse

Terpene zur Behandlung von Entzündungen

Campher (Terpen aus dem Kampferbaum) ist bekannt für seine antirheumatische Wirkung und ist darum in vielen Einreibungen enthalten. Auch Myrtol konnte in Studien seine Wirksamkeit beweisen und wird in Arzneimitteln zur Bronchitis Behandlung verwendet. Weitere bekannte Entzündungshemmer unter den Terpenen sind Bisabolol aus Kamillenöl und Helenalin aus Arnikablütenständen.

Terpene mit neuroprotektiven Wirkungen (nervenschützende)

In Safran konnte man Terpene finden, die bei oxidativen Schädigungen von Ratten eine protektive Wirkung aufzeigten. Zusätzlich wirkten sie krampflindernd bei Mäusen mit epileptischen Anfällen.

Terpen aus Ginkgo Biloba können die Hirnstoffwechsel ankurbeln und somit die Konzentration und Gedächtnisleistung steigern. Und Sesterterpene kommen als Leitsubstanzen bei der Entwicklung von Arzneimitteln zur Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie beispielsweise der Alzheimer-Krankheit zum Einsatz.

Cannabis: Ein wertvolles Naturheilmittel

Es gibt bestimmt noch viele Überraschungen, die Cannabis und die in ihm enthaltenen natürlichen Stoffe für uns bereithalten. Zusammenfassend kann man aber jetzt schon erkennen, dass sowohl Cannabinoide als auch Terpene ein großes therapeutisches Potenzial besitzen und Forschung, Wissenschaft und Politik hier gefragt sind, um dieses Potenzial allen Menschen zugänglich zu machen.


annett.jaeger

Journalistin / Autorin

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